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Was meine Frau zuweilen ſo traurig macht, iſt auch noch vielleicht, daß ſie eiferſüchtig auf den Eindruck war, den die ſchöne Mademoiſelle Germon machte, die Tochter des Lieferan⸗ ten, die mit mir und meiner Frau zu gleicher Zeit heirathete, ein herrliches Geſchöpf, die geſundeſten Farben, volle Bruſt, königliche Haltung, und Geiſt— ah, welchen Geiſt! Alle An⸗ dern muntert ſie auf, lacht beſtändig, war auf dem Lande immer für allerhand Poſſen, und will blos zum Scherz ihre Kinder proteſtantiſch erziehen, um dadurch ihren Landgeiſtlichen zu ärgern.
Du begreifſt wohl, daß neben einer ſo amüſanten Frau die meinige gewaltig in den Hintergrund treten mußte, mit ihrem blaſſen Geſichte, ihrer Taille, ſo dünn, daß man fürchtet ſie zu zerbrechen, wenn man nur dagegen bläſt, ihrem trauri⸗ gen, kopfhängeriſchen Weſen. Uebrigens glaube ich, Dumont, daß ſie traurig iſt, weil es ſo ihr Charakter iſt, traurig zu ſein; man wird ſo geboren, und iſt deshalb eben nicht unglücklicher; das liegt im Blute, wie man ſagt. Ich beunruhige mich des⸗ halb auch nicht mehr darüber. Was geht denn meiner Frau ab? Nicht wahr, Dumont?
Was nun ihre Ziererei betrifft, ſo iſt daran ihre ſchlechte Erziehung Schuld.— Ach, à propos, Du kennſt doch Ber⸗ court, den Wechſelagenten, der ſo unterhaltend iſt, ſo geiſtreich, der durch den Bauch redet, den Baß ſo täuſchend nachmacht, und die Rollen Monniers ſo komiſch lieſt; Bercourt, der mit der kleinen Auguſte in wilder Ehe lebt? Nun gut, als er neu⸗ lich einmal über Prieſter und Nonnen etwas ſagte, was gleich⸗ wohl für eine verheirathete Frau gar nicht zu ſtark war, hat meine Frau ihn ſo derb zurechtgewieſen, daß der arme Menſch ſich ſeitdem nicht wieder zu uns gewagt hat.
Höre nur, wie das kam. Während Bercourt in ſeinen Dummheiten fortfuhr, über die ich mir einen Buckel lachen mußte, klingelte meine Frau, und ſagte mit einem wahren Prin⸗ zeſſinnentone, den ich bis dahin noch gar nicht an ihr gekannt hatte, indem ſie auf Bercourt deutete: Der Herrfragt, ob ſein Wagen da iſt; er will nach Hauſe fahren.
Du kannſt wohl denken, daß er ſogleich gegangen iſt, und daß er ſehr bös war, was mich recht verdroß, denn er iſt wirk⸗ lich ſehr unterhaltend.


