III. Heirath.
Herr von Noirville war noch im Schlafrocke und damit beſchäftigt, aus dem Fenſter zu ſehen, als ſein Notar ihm mel⸗ dete, daß er angenommen ſei.
„Es iſt abgemacht; ſie willigt ein;“ ſagte der Mann des Rechtes.“
„Deſto beſſer,“ erwiderte ſein Client,„denn ich hatte zu mir ſelbſt geſagt: Wenn ſie, Tag für Tag gerechnet, einen Mo⸗ nat nach meiner Präſentation, ſich noch nicht beſtimmt erklärt hat, ſo ſuche ich anderwärts. Uebrigens bin ich ſehr zufrieden, denn wenn auch Mamſell d'Elmont gerade keine Schönheit iſt, ſo hat ſie doch ein recht nettes Geſicht, das mir gefällt; über⸗ dies ſcheint ſie ganz leidlich erzogen und auch ſonſt recht gut⸗ müthig zu ſein. Nur glaube ich, daß ſie nicht viel Geiſt hat, denn ſie iſt ganz verteufelt ſchweigſam, aber das iſt mir doch noch lieber als eine Frau, die ſo viel plappert, wie eine Elſter. — Noch etwas wäre freilich auszuſetzen: Daß ſie nämlich ge⸗ waltig mager iſt!“
„Meiner Treu, das finde ich nicht!“ entgegnete der Notar, welcher ſchon an den Ehecontract dachte.
„Ei, was,“ fuhr ſein Client fort,„ihr erſtes Wochenbett wird ſie ſchon korpulenter machen, wie man behauptet. Von ihrer Geburt will ich gar nichts ſagen, denn das macht nichts aus. Der Beweis iſt, daß ich, der Sohn eines Kupferſchmieds, die Tochter eines Marquis heirathe.“
Die Heirath wurde mit vielem Glanze gefeiert, aber mit entſetzlich bürgerlichem Glanze.
Die Ausſtattung und die Hochzeitsgeſchenke waren wenig⸗ ſtens 300,000 Fr. werth.
Acht Tage lang ſprach daher auch ganz Paris davon, und folglich von dem großen Glücke des Fräuleins von Elmont, das gleichwohl ſehr rothe Augen hatte, als es zum Altar trat.
Unter andern Dingen dachte ſie auch voll Verzweiflung daran, daß ſie ihre kleine Wohnung in dem Faubourg St. Ger⸗ main, an die ſich ſo viele Erinnerungen knüpften, verlaſſen


