ziehen? Leider giebt es einige Dramen, einige unſelige Häuſer, in welchen ſo etwas vorkommt, aber es geſchieht ſehr ſelten. Gewöhnlich fügt ſich Alles ganz gut und ohne Störung in das Leben ein.
Und da wir einmal von dem Ehebruche ſprechen,— warum ihn ſchildern mit hohlen Augen, mit eingefallenen Wangen, mit ſtruppigem Haar, warum ihn vom Tode und von glühen⸗ den Kohlen ſprechen und bei Blut und Dolch ſchwören laſſen? Ich habe ihn faſt immer gelockt, heiter, vergnügt und elegant geſehen. Wenn er einmal vom Tode ſprach, ſo geſchah es in den ſeligen Augenblicken, in denen die Feurigſten ausrufen: Ich ſterbe! Er hatte nur ſinnliche und wollüſtige Worte auf den Lippen: bald ſeufzte er, ein bewundernswürdiger Proteus, mit ſüßer, zärtlicher Stimme, bald ſprühete er den Geiſt in glitzern⸗ den, blitzenden Funken von ſich. Er wurde, wenn auch nicht von den Müttern oder den Männern, aber doch, was weit beſſer iſt, von den Weibern und Mädchen freundlich aufgenom⸗ men und geliebkoſet und lebte lange, ſehr lange ſo, und als er endlich alt wurde, beſchäftigte er ſich, ſtatt mit der Praxis, mit der Theorie, theilte ſeine Erfahrungen den jungen Männern mit, lächelte ſeinen Zöglingen zu und wurde, ein ächter Phönir, in ihnen wieder jung.
Ich will nicht behaupten, daß dies moraliſch ſei; ich be⸗ haupte aber, daß es wahr iſt. Die Wahrheit liegt mir mehr am Herzen, als die falſche Furcht jener Moral.
Es iſt wahr, weil es ſelten vorkommt, daß eine Frau ſich hingiebt in tiefer, unwiderſtehlicher Leidenſchaft, die man ihr mit Rückſicht auf die Ueberlegenheit deſſen, der ſie hervorrief, ver⸗ zeihen würde, und weil jene glühende und keuſche, obgleich ver⸗ brecheriſche Liebe, die dem, welcher ſie zu wecken verſtand, Alles
3 opfert, ebenfalls ſelten iſt. O ſie iſt ſelten jene erhabene Liebe,
die mit gefaltenen Händen Thränen der Wonne und der Reue weint, die der Convenienz, den Pflichten, der Familie, der Welt Trotz bietet und durch ihre Größe, durch ihre Stärke die Ach⸗ tung und Bewunderung der Menſchen erzwingt!— Nein, nein, in dieſer Weiſe giebt ſich eine Frau nicht hin, oder doch nur in ſehr ſeltenen Ausnahmen. Und geprieſen ſei eine ſolche Aus⸗ nahme, denn eine ſolche Geliebte muß den andaluſiſchen Dolch in ihrem Kniebande tragen.
Nein, nein, nicht ein ſolches unwiderſtehliches Verhängniß


