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rung, ohne Gram, weil die Liebe nicht tief eingedrungen iſt, denn was nützt es, aus einer entzückenden Wonne eine gehäſſige Pein zu machen? Die ſogenannte tiefgefühlte Liebe führt immer dazu, und es iſt ein großes Glück, daß eine ſolche ſelten vörkommt, denn außerdem würde das Leben unerträglich ſein.
„Wir wollen demnach ſorglos und glücklich ſein und weder tief in das Leben hineinblicken, noch die Liebe tief eindringen laſſen. Wir wollen die Gegenwart, den Tag, die Stunde, die Minute genießen und in der Zukunft nur ein neues Vergnügen erwarten.“
Dieſe ſorgloſe und leichtfertige Lebensphiloſophie gefiel Hor⸗ tenſen ſehr, welche die Liebe ebenfalls nicht anders verſtand. Die wahrhaft liebenden Frauen berechnen die Macht der Liebe nach den Thränen, die ſie ihnen auspreßt; Hortenſe wollte ſie nach den Freuden berechnen, die ſie von ihr erwartete. Georg war alſo glücklich— weil er aufrichtig war. Andere, die eben ſo leicht⸗ ſinnig waren als er, hatten die ſtürmiſcheſte Liebe zu erregen geglaubt, wenn ſie von und mit Leidenſchaft ſprächen; aber ſie erregten nur Furcht. Er verſtand es beſſer, denn er unterhielt.
Da Hortenſe ihre Stellung gewonnen, hatte ſie ihren Mann um nichts mehr zu beneiden.
Im erſten Sommer erſuchte Herr von Cerigny ſeine Frau, die Frau von Luſſan zu einem Beſuche auf ihrem Landgute einzuladen. Da Herr von Luſſan ſelbſt Paris niemals verließ, weil er ohne die Oper nicht leben konnte, ſo war Hortenſe in der Freude darüber, daß ſie ihrem Manne, der Georg nicht ent⸗ behren konnte, eine Gefälligkeit zu erweiſen im Stande ſei, äußerſt liebenswürdig gegen die Frau von Luſſan und Alles ging demnach ganz gut. Im Sommer kam man auf der Beſitzung Luſſan's oder Cerigny's zuſammen, und im Winter bewegte man ſich in demſelben Kreiſe, und beſuchte an gleichen Tagen die italieniſche oder die große Oper, und Georg erſchien mit ſeiner Tante, der Baronin von Verneuil, in der Loge der Frau von Cerigny.
Dieſe ehebrecheriſche, wie man ſich ausdrückt, ſo geordnete, ſo berechnete, ſo ruhige Liebe, dieſes heitere, ungetrübte Glück, das man den Familienmüttern als Muſter vorhalten könnte, wenn es erlaubt wäre, darf nicht überraſchen. Wer will be⸗ haupten, daß die meiſten dieſer außerehelichen Verbindungen entſetzliche Gewiſſenspein, Folterqualen und Jammer nach ſich


