Drittes Kapitel.
Er war in Verzweiflung und entſchloſſen, bei dieſem Aben⸗ teuer weder ſeine Hand noch ſeine Kenntniſſe zu ſchonen. Hamilton.
Verlegenheit.
Ich begreife den Haß, wenn er zur Rache führen kann,
aber ein verheimlichter, hoffnungsloſer Haß, der nicht einmal
laut ſagen kann: ich haſſe, ein Haß, der nur von ſich ſelbſt
lebt— bittere Nahrung!— iſt eine ſehr trübſelige Leidenſchaft.
Man denke ſich einen Tiger mit einem Maulkorbe, einen Tiger, der in einem dunkeln Käfige an der Kette liegt, und außer dem Bereiche ſeiner Klauen ſchöne glänzende Gazellen im
Sonnenſcheine auf dem Graſe, unter blühendem Fliedergebüſch
hüpfen und ſpringen und ruhig Roſenblätter faſt an dem Kä⸗ fige des reißenden Thieres abnagen ſieht, deſſen Daſein ſie gar nicht ahnen und das ihre unſchuldigen Spiele und Freuden nicht einmal durch ſein Brüllen ſtören kann.
So ziemlich in dieſer Lage befand ſich Crao, der Buckeliche,
in dem Hötel Luſſan. Der Unſelige haßte Alles, was jung,
glücklich und ſchön war, denn der Neid iſt bei dem Menſchen mehr als eine Leidenſchaft, die entſteht und ſtirbt, mehr als ein
Sinn, der abſtumpft, er iſt ein Inſtinkt und dieſen organiſchen Inſtinkt beſitzt der Menſch ſchon in der Wiege, wie er ihn erſt deim Tode verliert. Bei den Menſchen, die eine Zukunft be⸗
ſitzen, wird der Neid Ehrgeiz und nicht Haß,— weil man das nicht offen und frei haſſen kann, was man erhalten kann; bei
denen dagegen, welche eine eherne Mauer zwiſchen ihrem Neide und ihren Beſtrebungen ſehen, wird der Neid Haß, ein dumpf⸗ brütender oder unrühigtobender, aber immer unverſönlicher Haß. Deshalb ſollte auch jedes politiſche oder ſociale Geſetz nur dieſe eine Frage zu löſen ſuchen: Wie, da die phyſiſche Un⸗ möglichkeit eines gleichen und gemeinſamen Beſitzes nicht zu bezweifeln iſt, die Beſitzenden vor den Wirkungen des Neides der Richtbeſitzenden zu ſchützen ſein möchten. Geld oder Geiſt, — Adel oder Genie,— Amt oder Erbe, Hütte oder König⸗ reich,— darauf kommt wenig an; der Arme, welcher einen Sou beſitzt, wird von dem beneidet, der gar nichts hat.


