gemagerten Aermchen entgegenſtreckte, die vor Froſt zitterten, und die ich ſo oft vergebens durch meinen Hauch zu erwärmen verſucht hatte.
„Indem ich meine kleine Tochter mir zu⸗ lächeln und einen Augenblick zu dem Leben zurück⸗ kehren ſah, zögerte ich, ſie mit mir ſterben zu machen. So blaß und erſchöpft ſie auch war, kam ſie mir doch noch ſo ſchön vor! Allein ich ſagte mir: Sie wird einſt ſchön, arm und ver⸗ laſſen ſein, und es iſt daher beſſer, daß ſie jetzt an dem Buſen ihrer Mutter ſtirbt, als einſt, wie ich, vor Elend, Schande und Kummer! Arm und eine Waiſe würde ihr Loos eben ſo elend ſein, wie das meinige. Und gleichwohl hatte ich einen Vater und eine Mutter, die ich anbetete. Meine Erziehung war glänzend; ich lebte immer, wenn auch nicht in Lurus, doch im Wohlſtande; mein Herz war gut, meine Seele rein. Sie wiſ⸗ ſen es, Marie, mein einziges Verbrechen war, daß ich an die Heiligkeit eines Eides glaubte, der an dem Lager meiner ſterbenden Mutter geſchwo⸗ ren wurde, als ihre ſchon erkaltenden Finger die Hand deſſen, den ich ſo ſehr geliebt habe, in die meinige legten.— Mein einziges Verbrechen war, zu glauben, daß ich von jenem Augenblicke an vor Gott und vor den Menſchen ihm angehöre; mein Vertrauen auf ſeine Ehre war mein Ver⸗ derben. Gott möge ihm verzeihen!


