—
nur die Ungebundenheit in den unſittlichen Liebes⸗ verhältniſſen; Niemand aber kann die eheliche Treue mehr bewundern und hochſchätzen als ich.— Sie, mein Herr?— Ich.— Im Ernſte?— In vollem Ernſte.— Ei, Sie ſpaßen!— Nein, gnädige Frau, ich ſpaße nicht; ich verehre und bewundere dieſe Treue um ſo mehr, als ſie mir
ſchwer und verdienſtvoll erſcheint. Ehegatten,
welche ſich beſtändig zärtlich und treu lieben, ſind ebenſo vollkommen, ebenſo lögiſch als diejenigen, welche in einer bloßen Verbindung des Vergnü⸗ gens Mannichfaltigkeit und Abwechſelung ſuchen; die Unbeſtändigkeit iſt das Recht dieſer, die Be⸗ ſtändigkeit die Pflicht der anderen; letztere haben aber die Kraft, eine hohe Pflicht zu erfüllen, tau⸗
ſend Lockungen, tauſend Verſuchungen zu wider⸗ ſtehen, und jede Pflichterfüllung iſt eine große
und würdige Handlung.
Der Ton des Unbekannten war ernſt und warm geworden. Frau von Beaupertuis konnte ſich nicht enthalten auszurufen:
— Wie! mein Herr, Sie Sie reden ſo? — Ich ſpreche ſo, gnädige Frau, ſagte der Unbe⸗
kannte lebhaft, weil mein Herz noch voll lieber Ein⸗
drücke iſt. Dieſen Abend war ich bei einem meiner
Jugendfreunde Zeuge eines jener ſeltenen und rei⸗
zenden Beiſpiele ehelicher Liebe und Treue.— Und


