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Frauen gewiſſer Stände ſehr ſtreng?— Ja wohl, gnädige Frau, vor allen gegen jene.— Und was, mein Herr, haben Sie dieſen armen Frauen vorzuwerfen?— Vor allem ihre Langweile.— Und wer ſagt Ihnen, daß ſie ſich langweilen?— Häufig ihre unfruchtbare mürriſche Tugend, noch häufiger die Wahl ihrer Liebhaber.— Achl es giebt welche, die Liebhaber haben?— Das iſt wohl vorgekommen, gnädige Frau.— Was hal⸗ ten Sie denn aber von der Liebe?
— Von welcher, gnädige Frau?— Giebt es denn mehrere Arten?
— Tauſend! Wir wollen uns aber, wenn Sie es wünſchen, auf das beſchränken, was man in Ihren Kreiſen gewöhnlich Liebe nennt, näm⸗ lich ein Gefühl, welchem ſich zwei Perſonen der Geſellſchaft hingeben, wenn dieſer, nachdem er ſich kürzere oder längere Zeit mit jener beſchäftigt und ſich alle mögliche Mühe gegeben hat, ihren Ruf zu untergtaben, endlich ihre Tugend beſiegt, wie ſie ſchon Andere vor ihm beſiegt haben oder Andere nach ihm beſiegen werden.— Das Bild iſt eben nicht ſchmeichelhaft, doch will ich's gelten laſſen. Was urtheilen Sie nun von ſolcher Liebe? — Um ſich ſelbſt getreu zu bleiben, muß dieſe Liebe ihre Luſt in der Unbeſtändigkeit ſuchen.— Und was wird dabei aus dem Herzen?— Das Herz, gnädige Frau, hat mit derartigen Verbin⸗
Die Prophezeihung. U. 3


