es giebt noch etwas Gefaͤhrlicheres als einen Je⸗ ſuiten,— eine Jeſuitin. Und wenn man in gewiſſen Kreiſen ſich bewegt hat, weiß man, daß es leider viele ſolcher weiblichen Jeſuiten giebt.
Die Fuͤrſtin von St. Dizier war ſonſt ſehr ſchoͤn, und in den letzten Jahren des Kaiſerreichs, ſo wie in den erſten der Reſtauration eine der er⸗ ſten Modedamen von Paris geweſen, eine Frau mit unruhigem, lebendigem, abenteuerlichem, herrſch⸗ ſuͤchtigem Geiſte, kaltem Herzen und lebendiger Phantaſie. Sie hatte ſich ungemein der Galan⸗ terie hingegeben, nicht nach einem Bedürfniſſe ihres Herzens, ſondern aus Liebe zur Intrigue, die ſie liebte, wie die Männer das Spiel lieben— wegen der Gefuͤhlserregungen, die dadurch hervorgerufen werden.
Ihr Gemahl, der Fuͤrſt von Saint Dizier (der aͤltere Bruder des Grafen von Rennepont, Her⸗ zogs von Cardoville, des Vaters Adriennes), war leider immer ſo verblendet oder ſo ſorglos geweſen, daß er in ſeinem ganzen Leben kein Wort geſagt hatte, aus dem man haͤtte ſchließen koͤnnen, er ahne oder kenne die Abenteuer ſeiner Gemahlin.
Da demnach die Fuͤrſtin bei dieſen Verbindun⸗ gen, die uͤbrigens unter dem Kaiſerreiche ſo bequem waren, wahrſcheinlich zu wenig Schwierigkeiten fand, ſo entſagte ſie zwar der Galanterie nicht, ſie glaubte dieſelbe aber pikanter und intereſſanter zu


