Georgette war achtzehn Jahre alt und nie⸗ mals hat eine Soubrette Marivaux' ein lieblicheres Schelmengeſicht, ein lebhafteres Auge, ein ſchalk⸗ hafteres Lächeln, weißere Zahne, roſigere Wangen, einen zierlichern Wuchs, ein niedlicheres Fuͤßchen und eine reizendere Haltung gehabt.
Ob es gleich noch ſehr fruͤh am Tage, war Georgette doch bereits ſorgfältig und zierlich geklei⸗ det. Ein Spitzenhaͤubchen mit glattanliegenden Backen, ſo ziemlich wie es die Bauermadchen tra⸗ gen, mit Roſaband garnirt und auf den herrlichen blonden Haarſtreifen ziemlich weit nach hinten ge⸗ ſetzt, umfaßte ihr friſches reizendes Geſicht; ein Kleid von grauer Levantine mit einem Halstuch von Linon, das am Buſen durch eine dicke Atlas⸗ ſchleife feſtgehalten war, hob ihre zierlich gerundete Bruſt hervor; ein Schuͤrzchen von ſchneeweißer hollaͤndiſchen Leinwand, unten mit drei breiten Säumen und Hohlnähten garnirt, ſchmiegte ſich um ihre runde gefuͤgige Taille; die kurzen engen Aermel mit einem ſchmalen Spitzenbeſatz ließen die vollen feſten weißen Arme ſehen, welche durch die langen Glacéhandſchuhe, die bis an den Elnbogen reichten, vor der Kälte geſchuͤtzt wurden. Als Geor⸗ gette das Kleid aufnahm, um ſchneller die Stu⸗ fen vor der Halle hinunter gehen zu können, zeigte ſie den gleichgiltigen Augen Lutines den Anfang einer vollen Wade, wie den untern Theil eines feingeformten Beines in weißſeidenem Strumpfe


