dieſem Tage beriethen und ermuthigten ſich Agricol und ſie gegenſeitig, aber außer ihm erfuhr kein Menſch in der Welt etwas von dieſen dichteriſchen Verſuchen Hoͤckchens, die uͤbrigens ihrer ſcheuen Schuͤchternheit wegen fuͤr dumm galt.
Die Seele dieſer Ungluͤcklichen mußte groß und ſchön ſein, denn nie kam in ihren unbekannten Liedern ein einziges Wort des Zornes oder des Haſſes gegen das traurige Schickſal vor, deſſen Opfer ſie war; es waren traurige, aber ſanfte, ver⸗ zweiflungsvolle, aber ergebene Klagen, Klaͤnge einer unendlichen Liebe, eines ſchmerzlichen Mitgefuhls, einer himmliſchen Theilnahme fuͤr alle die Armen, die gleich ihr unter der doppelten Laſt der Haͤßlich⸗ keit und der Armuth ſeufzeten.
Gleichwohl ſprach ſie oft eine ungeheuchelte
und aufrichtige Bewunderung fuͤr die Schoͤnheit aus und immer ohne Neid, ohne Bitterkeit; ſie bewunderte die Schoͤnheit, wie ſie die Sonne be⸗ wunderte. Aber ach!— viele Verſe Hoͤckchens kannte Agricol nicht und er ſollte ſie nie kennen. Der junge Schmied beſaß, ohne regelmaͤßig ſchoͤn zu ſein, ein maͤnnliches ehrliches Geſicht, eben ſo große Herzens⸗ guͤte als Muth, ein edeles, warmes Herz, einen ſeltenen Geiſt und eine milde offene Heiterkeit.
Das Maͤdchen, die mit ihm aufgewachſen war, liebte ihn, wie eine Ungluͤckliche lieben kann, die aus Angſt vor ſchmerzlicher Laͤcherlichkeit ihre Liebe


