Anfangs hoͤrte Cephyſe auf die weiſen Lehren Franziscas, that ſich Gewalt an, fugte ſich in die Noth, lernte naͤhen und arbeitete wie ihre Schwe⸗ ſter ein Jahr lang; da ſie aber den ſchwerel Ent⸗ behrungen nicht laͤnger widerſtehen konnte, welche ihr die ſchreckliche Geringfuͤgigkeit ihres Verdienſtes trotz ihrer aͤmſigen Arbeit auferlegte, und wobei ſie ſogar Kaͤlte und hauptſaͤchlich Hunger ertragen mußte, ſo zog es die junge huͤbſche, lebensluſtige Cephyſe vor, die von Lockungen und Anerbietungen umringt war, welche ſie fur glaͤnzend hielt, ob ſie gleich nur die Mittel gaben, den Hunger zu ſtillen, nicht mehr zu frieren, ſich nett zu kleiden und nicht mehr funfzehn Stunden täglich in einem dunkeln, ungeſunden Loche zu arbeiten, die Betheuerungen eines Advocatenſchreibers anzuhören, der ſie ſpaͤter verließ; dann machte ſie Bekanntſchaft mit einem Pandlungsdiener, den ſie, kluͤger geworden, mit einem Handlungsreiſenden vertauſchte, welchem— andere Beguͤnſtigte folgten.
Kurz, Cephyſe war nach einem oder zwei Jahren der Abgott einer Welt von Griſetten, Studenten und Handlungsdienern getworden und hatte ſich in den Tanzlocalen vor den Thoren durch ihren entſchiedenen Charakter, durch ihren wahrhaft originellen Geiſt, durch ihren unermuͤdlichen Eifer fuͤr alle Vergnuͤgungen und beſonders durch ihre ausgelaſſene und lärmende Luſtigkeit einen ſolchen Ruf erworben, daß ſie einmuͤthig die Bacchanals⸗
Der ewige Jube. V. 3


