Einfluß hielt ſie fuͤr den verehrungswürdigſten und heiligſten; keine menſchliche Macht und Ruͤckſicht wuͤrde im Stande geweſen ſein, ſie zu hindern, demſelben nachzugeben. Wurde daruͤber geſprochen, ſo vermochte nichts in der Welt, dieſe vortreffliche Frau zu beugen; ihr Widerſtand war zwar ohne Zorn, ohne Heftigkeit, mild wie ihr Charakter und ruhig wie ihr Gewiſſen, aber auch unerſchuͤtterlich.
Franzisca Baudoin gehoͤrte mit einem Worte zu jenen reinen, unwiſſenden und leichtglaͤubigen Weſen, welche, bisweilen ohne daß ſie es ſelbſt wiſſen, ſchreckliche Werkzeuge in gefährlichen und geſchickten Haͤnden werden koͤnnen.
Seit langer Zeit noͤthigten ſie ihr Befinden und beſonders die merkliche Abnahme der Sehkraft zur Ruhe, denn ſie konnte kaum noch zwei bis drei Stunden taͤglich arbeiten. Die uͤbrige Zeit ver⸗ brachte ſie in der Kirche.
Nach einigen Augenblicken ſtand Franzisca auf, machte eine Seite des Tiſches von den groben Lein⸗ wandſaͤcken frei und deckte da mit muͤtterlicher Sorg⸗ ſamkeit fuͤr ihren Sohn. Aus demSchranke nahm ſie einen kleinen ledernen Beutel, der einen alten verbogenen ſilbernen Becher und ein leichtes ſilber⸗ nes ſo duͤnnes und abgenutztes Beſteck enthielt, daß der Loͤffel ſogar ſchnitt. Sie wiſchte und rieb Alles auf's Beſte ab und legte dieſes Silberzeug, das Hochzeitsgeſchenk Dagoberts, nehn den Teller ihres Sohnes.
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