Teil eines Werkes 
175. Theil, Der ewige Jude : 4. Bändchen (1844) Le juif errant
Entstehung
Einzelbild herunterladen

„Ein recht gutes Herz hatte ſie. Hatte ſie nicht einmal ſogar ihren Shawl und ihr ganz neues Merinokleid einem armen Maͤdchen gegeben und kam im Unterrocke und in bloßen Armen ins Schloß zuruͤck?“

„Das that ihr Herz; aber welchen Kopf hatte ſie auch, welchen Kopf!*

„Einen eigenſinnigen Kopf, und das konnte nicht gut ablaufen.. Sie hat dann auch, wie es ſcheint, in Paris Dinge vorgenommen, Dinge..“

„Was fuͤr Dinge?“

„Ich wage gar nicht davon zu reden

„Nur heraus damit!“

„Nun,“ ſprach die wuͤrdige Frau mit einer ge⸗ wiſſen Verlegenheit und Scham, welche bewieſen, wie ſehr ſie ſich uͤber die ſchrecklichen Dinge ent⸗ ſette,—„man ſagt, Fräulein Adrienne betrete nie⸗ mals eine Kirche, und ſie wohne ganz allein in einem goͤtzendieneriſchen Tempel am Ende des Gar⸗ tens im Hauſe ihrer Tante; ſie laſſe ſich von mas⸗ kirten Frauen bedienen, von denen ſie ſich als Göt⸗ tin kleiden laſſe und die ſie den ganzen Tag miß⸗ handele, weil ſie immer betrunken ſei, ungerechnet, daß ſie alle Naͤchte auf einem Jagdhorne von maſſivem Golde blaſe, was ihre arme Tante, die Fuͤrſtin, zur Verzweiflung bringt, wie Du Dir's denken kannſt.“

Der Verwalter unterbrach hier ſeine Frau durch lautes Lachen.

———