Teil eines Werkes 
75.-77. Theil (1841) Kardiki : Novelle / von Eugen Sue ; deutsch von L. v. Alvensleben
Entstehung
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und uneigennuͤtzigen Mann, Eigenſchaften, die bei den Derwiſchen ſo ſelten ſind, naͤher kennen zu ler⸗ nen. Alle meine Muͤhe blieb fruchtlos und ich hatte das Vergnuͤgen, dem beſorgten Tyrannen zu melden, daß ich den Mann nicht hatte entdecken können. Die Nachricht brachte ihn außer ſich, und das freute mich um deſto mehr.

Aber man darf nach dieſer Thatſache nicht glau⸗ ben, daß alle Derwiſche dieſelbe Tugend beſaßen, obgleich alle ſo dreiſt waren. Sie gaben dem Weſir nie einen Titel, ſondern nannten ihn kurzweg Ali. Faſt täglich fanden Derwiſche Gefallen daran, ihn nach den muſelmaͤnniſchen Begriffen mit den grobſten Schmähungen zu uͤberhaͤufen; denn un⸗ ter andern beleidigenden Ausdruͤcken erlaubten ſie ſich auch ihn Domouz(Schwein) zu nennen, Guyaour und Kiair. Das erſtere dieſer beiden

Worte iſt nur auf einen Cyriſten anzuwenden, mit dem es ſynonym iſt, denn es laßt ſich nicht ein⸗ mal auf die Juden beziehen, da dieſe als Anbeter der ſtrengen Einheit Gottes den Muſelmaͤnnern gleich ſtehen. Das Wort Kiakir bedeutet buchſtäb⸗ lich einen Atheiſten. Eine andere Schmaͤhung iſt in der Tuͤrkei noch haͤufiger, naͤmlich das Wort Pesevenk, welches einen Menſchen bedeutet, der darin willigt, daß ſeine Frau ihm untreu iſt. Oft ſind durch dieſes Wort Kämpfe und Mordthaten herbeigefuͤhrt worden, und gleichwohl verſchwende⸗ ten es die Derwiſche gegen Ali Paſcha, ohne daß

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