ſchien nur fur die Zukunft ihres Sohnes zu leben. Zu⸗ weilen jedoch ſang ſie, aber ſelten, aber truͤbe; dazu war nöthig, daß der Mond bleich ſchien, daß die ſteilen Gipfel des Mejurani, in einen blaulichen Dunſt gehuͤllt, einem ungeheuren Geſpenſt glichen; daß das Echo der Berge das dumpfe, ferne Rol⸗ len des Donners wiederholte, daß bei ſtuͤrmiſchem Wetter kleine phosphoriſche Flammen, aus den vul⸗ kaniſchen Riſſen an dem linken Ufer der Voüuſſa aufſteigend, blau und unerreichbar auf dem ſchwar⸗ zen, ausgedörrten Boden hier und dort umher tanzten. Beim Scheine der Blitze konnte man
dann das melancholiſche, ſtrenge Geſicht Khamco's
hinter dem Gitter irgend eines Fenſters im Serail
erblicken, wie ſie mit gluͤhenden Augen den blen⸗
denden Zacken des Blitzes folgte. Dann konnte
man ihre ſtolze, maͤnnliche und kraͤftige Stimme einige Worte ſingen hoͤren, aber fremdartige, aber
finſtere Worte, wie z. B. den Schluß von: Das junge reiſende Mädchen, einer verſchrobenen albaneſiſchen Myriologie, welche lauten:
„O ſeht den ſchoͤnen Körper, einen Doliman „zu tragenz die ſchoͤnen Finger, um Diamanten „zu tragen;— ſeht die ſußen Lippen, ſo einladend „zum Kuſſe, wie blutig ſie auch ſind!— Ich „habe ſie gekuͤßt, dieſe rothen Lippen, und gefaͤrbt
„mit Blut waren meine Lippen.— Ich trocknete „ſie mit meinem Tuche, und gefaͤrbt mit Blut war „das Tuch;— ich wuſch es im Fluſſe, und ge⸗


