Teil eines Werkes 
75.-77. Theil (1841) Kardiki : Novelle / von Eugen Sue ; deutsch von L. v. Alvensleben
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

quinhalbſtiefeln mit ſilbernen Sporen, bald mit ſei⸗ dengeſtickten Kamaſchen, und indem ſie zu Pferde uͤber die Ebene ſprengte, oder zu Fuß die Berge erſtieg, ſetzte ſie wechſelsweiſe durch ihre Kraft und ihre Gewandtheit die verwegenſten Reiter und Fuß⸗ gaͤnger in Verwunderung.

Ali und Chainitza, ſchoͤn wie ſie, gekleidet wie ſie, unerſchrocken wie ſie, verließen ſie nie und bil⸗ deten ihre einzige Begleitung. Vergebens hatten Lapezraͤuber ihre Naͤhe in der Umgegend von De⸗ belen durch Mord und Pluͤnderung kund gethanz Khamco verachtete dieſe Gefahren, und man haͤtte behaupten mögen, daß dieſe kuͤhne Frau durch Muͤh⸗ ſeligkeiten und Gefahren ohne Zahl ihren Sohn und ihre Tochter auf irgend eine große, verwegene That vorbereiten wolle. Vom Morgen bis zum Abend ſtets auf dem Wege, ſah man ſie bald wie eine Viſion mitten in einer Wolke von vergoldetem Staub mit verhaͤngtem Zuͤgel, begleitet von Ai und Chainitza, dahin ſprengen; bald ſtand ſie, auf eine lange albaneſiſche Flinte geſtuͤtzt, während ihre beiden Kinder zu ihren Fuͤßen ſaßen, einſam und majeſtätiſch auf dem Gipfel eines mit Schnee be⸗ deckten Felſens.

Bald verfuͤhrt durch die wilde und kuͤhne An⸗ muth dieſer Amazone, welche ohne Zweifel in ih⸗ ren Augen den idealen Typus kriegeriſcher Schoͤn⸗ heit erfulte, wurden alle Häuptlinge der Palitaren oder Armatolen von Toscaria, unruhige Fuͤhrer