„Iſt es wahr,“ fragte Noömi mit leiſer Stimme,
„daß man Nachts aus den ſchwarzen Kellerh des Serails Klagegeſchrei herauftoͤnen hoͤrt, und daß darauf andere klagende Toͤne in der Luft ant⸗ worten?“
„Dann ſind es die Seelen der Todten, welche ſo die Seelen derer, die ſterben ſollen, zu ſich ru⸗ fen, denn die alte Khamco hat in dem Serail Viele getoͤdtet und toͤdtet noch Viele,“ antwortete der Bergbewohner. Nach einer langen Pauſe fuhr er dann fort:
„Ja, ja, ſie und ihre Tochter Chafnitza morden in dem Serail durch Gift und Zauberei, wie der Loͤwe von Debelen, ihr Sohn und Bruder, auf dem Felde des Krieges durch Schwert und Kugel
tödtet.— Fluch uͤber die Löwin und die jungen
Loͤwen!— Fluch uber Ali, welcher Gladiſta ver⸗
heerte, die Unſrigen erwuͤrgte oder in die Sclaverei fuhrte, die er nicht in dieſes abſcheuliche Land trieb,
wo wir vor Kaͤlte, Hunger und Elend umkommen. Noch einmal und noch einmal verflucht ſei der ganze Stamm von Debelen!“.
In dieſem Augenblicke trieb eine gewaltige Wolke von Schnee und Wind durch die kleine DOeffnung des Fenſters herein, druͤckte den Rauch auf dem Herde nieder und erſtickte beinahe das Feuer.
Von einem Gefuͤhl unwillkurlicher Furcht auf⸗ geregt, draͤngte ſich Noömi dichter an ihren Mann,


