„Die Verblendung des Laſters, Herr Abbé?“
Ja Herr Graf, die Verblendung des La⸗ ſters. Ich verſtehe darunter, daß ich Ihnen viel⸗ leicht Ihr Laſter kalt und nackt zeigen koͤnnte, ſo wie es iſt, wenn man ihm die Maske der Ueber⸗ legenheit, der Macht und der Gewalt abreißt, welche es vornimmt, um ſeine laͤcherliche Seite, ſeine Schwaͤche und ſeine Feigheit zu verbergen; denn was dieſem armen Laſter fehlt, Herr Graf, will es ſich gerade das Anſehen geben zu beſitzen, als: die Verachtung, die Kraft, die Eigenthuͤmlichkeit; denn ſeit der Regentſchaft des Herzogs von Orleans reg⸗ nete es Valmonte, man wird uͤberſchwemmt von Lovelace's, und Satan hat das Buͤrgerrecht in Paris erlangt.“
„Ich will das nicht fur eine Anzuͤglichkeit hal⸗ ten, Herr Abbé,“ ſagte Heinrich ſtreng.
„Herr Graf, wenn ich ſage Lovelace„ſo ſpreche ich von Lovelace.....“
„Wie denn, Herr Abbé? Lovelace, ſogar Love⸗ lace findet nicht Gnade vor Ihnen?“
„Wenn Sie unter Gnade Bewunderung oder Schrecken verſtehen, ſo muß ich Ihnen ſagen, Herr Graf, daß ich weder bewundere noch fuͤrchte, was feig, gemein und lächerlich iſt.“
„Lächerlich, Herr Abbé, Lovelace lächerlich! Lo⸗ velace gemein! Lovelace feig!....


