Teil eines Werkes 
71.-74. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 9.-12. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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„Allerdings, Herr Graf; Sie wiſſen, daß Sie keine Tugend, keine Sittlichkeit beſitzen, aber Sie denken, daß es Ihren Laſtern weder an Reiz noch an Eigenthuͤmlichkeit fehlt. Warum alſo wollen Sie, ich bitte Sie, die verzweifelte, wenn gleich ſchmeichelhafte Ueberzeugung nicht rein und unbe⸗ fleckt erhalten, daß Sie ein Menſch ſind, der we⸗ nigſtens den andern Menſchen durch die hölliſche Verachtung üͤberlegen iſt, mit welcher Sie Alles verſpotten, was die andern verehren? Warum wollen Sie ſo leichtſinnig dem Vortheil, dem Ruf, ein ganz verdorbener Menſch zu ſein, entſagen, und von Ihrer Stirn das teufliſche Brandmal ver⸗ wiſchen, welches Ihnen ſo gut ſteht und den Frauen ſo ſehr gefällt?

„Alſo Sie hoffen, mich zu bekehren, Herr Abbé!“— rief Heinrich mit faſt erſchrockener Miene.

„Ol beruhigen Sie ſich, Herr Graf: die Tu⸗ gend iſt kein Gefuͤhl, ſie iſt faſt ein Sinn, deſſen göttlicher Keim in der Tiefe jedes Menſchenherzens verborgen liegt. Aber dieſer Keim iſt in Ihrer Seele erſtickt, er iſt darin erſtorben, Herr Graf, er⸗ ſtorben für immer.“

Heinrich athmete auf.—„Aber was zum Teufel könnte ich dabei verlieren, da ich nichts da⸗ bei zu gewinnen habe?„„

„Die Verblendung des Laſters, Herr Graf.“ 4*