Teil eines Werkes 
71.-74. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 9.-12. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— als ein Blindgeborner ſich von dem Licht und der Außenwelt einen Begriff zu ſchaffen vermag. Un⸗ glucklicherweiſe beſaß Arthur, von ſeinem Vater in dieſem Stande religioͤſer Ungewißheit erzogen, eben ſo wenig einen Glauben; allein er hatte ſich nach den moraliſchen und uͤberlieferten Geſetzen des Chri⸗ ſtenthums, ſo zu ſagen, ein materielles und politi⸗ ſches Glaubensſyſtem gebildet, indem er nach ſei⸗ ner Idee die Religionen als eben ſo viele Formeln zu demſelben Zwecke betrachtete, naͤmlich dem, die Menſchen zu beherrſchen... Nur war unter die⸗ ſen Formeln die chriſtliche Religion die einzige, welche ihm goͤttlich ſchien, in der dichteriſchen Be— deutung dieſes Wortes, um damit das Gepräge der Vollkommenheit auszudruͤcken. Sie war in ſeinen Augen das erhabenſte Geſetzbuch der Menſch⸗ heit; und jene geiſtige Allmacht, dem Apoſtel im härenen Hemde verliehen, welcher von der Hoöhe eines Lehrſtuhls der Demuth das konigliche Schiff und den Volksocean gleichergeſtalt beherrſcht, und der den despotiſchen König, wie das empoͤrte Volk, vor dem Richterſtuhle Gottes erſcheinen läßt, ſchien Arthur die edelmuͤthigſte und erhabenſte der geſel⸗ ligen Zuſammenſtellungen; und wenn er ſie auch nicht als goͤttliche Offenbarung faſſen konnte, ſo betrachtete er ſie wenigſtens als das Meiſterſtuck des geſetzgebenden Geiſtes. Arthur bewunderte die hohe Weisheit des Urhebers dieſes erhabenen Geſetzes, welcher, da er wohl vorausſah, daß der