Geſichtszuͤge, ſeine Augen ruhig, ſein Kopf nicht niedergebeugt, ſein Antlitz edel und ausdrucksvoll, ſeine Reden ernſt und kalt und voll von einer Ma⸗ jeſtät, die ſich ſogar bei jeder Priſe Schnupftaback im glaͤnzendſten Lichte zeigte.
Es iſt Mitternacht. Herr von St. Cyr, noch
im Schlafrock, hat ſo eben durch ſeinen Bedienten
ſich die Haare toupiren laſſen. Er entlaͤßt ihn, ſetzt ſich zum Kamin, ergreift ein Portefeuille von gruͤnem, mit einer Guirlande von Sinnblumen und Immortellen geſtickten Atlas, zieht daraus ein Packet Briefe hervor, breitet ſie auf der Tafel aus, und lieſt ſie mit Nachdenken.
Es ſind Caͤciliens Briefe.
„Und immer noch keine Antwort auf meine beiden letzten Briefe!“ rief Herr von St. Cyr, nachdem er ſeine Liebescorreſpondenz wohl zehn Mal durchgeleſen hatte.—„Ein ſonderbares Weib, ja ſonderbar, denn mitten unter jener Leichtfertigkeit der Sitten, die jetzt einreißt, iſt ſie eine von den Wenigen, welche rein bleibt, und ſo, meiner Anſicht nach, mehr Achtung verdient, als ein durchaus tugendhaftes Weib.— Wenigſtens kaͤmpft meine
Cäcilie;— ja, ich kann ſagen: meine Cäcilie,— . 8 9. L wenigſtens kaͤmpft und ringt meine Caͤcilie— ach,
wie viel Wohl und Wehe liegt in dem Gedanken: ſie liebt mich, doch noch mehr liebt ſie die Tugend. Ach, dies iſt einer von jenen Vorzuͤgen, die ent⸗ zuͤcken und dennoch zur Verzweiflung bringen kon⸗
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