Wäͤhrend dieſer Worte blickte Heinrich gedan⸗ kenlos in das Kamin, und bemerkte den Brief des platoniſchen Hauptmanns. Sich buͤcken, ihn auf⸗ heben, ihn leſen, war das Werk eines Augenblicks.
„Ha, bei Gott! ich habe recht gerathen. Nun, gnaͤdige Frau, hatte ich Unrecht, als ich Ihren Proteſtationen nicht glauben wollte?“ rief Heinrich und zeigte ihr den Brief.
„Was aber, was ſagt dieſer Brief, deſſen ich mich ſchaͤmen durfte, mein Herr?“ erwiederte Caͤ⸗ cilie ſtolz.
„Er ſagt mir, gnädige Frau, daß dieſe Scene ſchon lange genug gewaͤhrt hat, ſo daß ich fuͤrchte, Ihnen koſtbare Augenblicke zu rauben, und mich entferne—“
„Sie kommen nicht von der Stelle, mein Herr, bevor Sie nicht Alles gehoͤrt haben,“ rief Cäcilie. „Ja, allerdings machte mir Herr von St. Eyr den Hof, bevor ich Sie kannte; er hat mir mehrmals geſchrieben, ich ihm geantwortet; doch andre Be⸗ weiſe meiner Liebe empfing er nie von mir, glau⸗ ben Sie es;— aber nein, Sie werden es nicht glauben, weil Sie nichts von mir glauben,“ rief Cäcilie und weinte.
„Cäcilie, ich wuͤrde an Ihre Liebe glauben, wenn Sie mir einen unverwerflichen Beweis davon geben wollten. Sie lieben mich, ſagen Sie; nun denn, beweiſen Sie es mir. In zwei Tagen ziehe ich in einen gefährlichen Krieg; vielleicht ſehe ich


