geheilten Degenſtich zugleich Freundſchaſt, Liebe und Haß ernte. Denn ich bin ſtolz und thöricht genug, mir einzubilden, daß Sie, gnaͤdige Frau, mir die Ehre erzeigen werden, mich zu haſſen.“
Cäcilie ſtand vernichtet. Sie rechnete bei dem
Grafen auf Aerger und Zorn, und fand nur un⸗ reizbares Phlegma, kalten Spott und Ruhe. Die Gefuͤhle folgten ſich ſo lebhaft in ihrem kleinen, hitzigen, launiſchen Köpfchen, daß ſie, trotz ihrer uns hinlaͤnglich bekannten Liebe fuͤr Heinrich, ihn lieber hätte martern und quaͤlen wollen. Vielleicht rechnete ſie auch auf Verlegenheit ſeinerſeits, um ihn dann nach Belieben begnadigen oder verdam⸗ men zu können; unglucklicherweiſe geſchah nichts von alle dem, die Ueberraſchung vernichtete alle jene ſchoͤnen Plaͤne, und als Heinrich ſich ihr nahte, ihr die Hand zu küͤſſen und ſich zu empfeh⸗ len, da rief ſie:
„Bleiben Sie, mein Herr, bleiben Sie, ich muß durchaus mit Ihnen ſprechen. Bleiben Sie, ich will—“ 3
und Cäciliens Stimme zitterte und verrieth ihre Bewegung.
„Wie gluͤcklich wuͤrde ich geweſen ſein, wenn ich ſolch' einen Befehl vor wenig Augenblicken er⸗ halten hätte,— antwortete Heinrich—„aber jetzt— 7
„Nun! jetzt?“
„Ach, jetzt ſehe ich wohl, daß Sie nur Ihr


