Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

1

— 257—

geringen Dienſt von Ihnen erſucht zu werden, mit

einer ſo froſtigen Artigkeit empfingen? Da, o Cä⸗ cilie, da verwuͤnſchte ich jenen Vorfall, der mich ſo beneidenswerth macht, jenen Ruf, deſſen ver⸗ derbliche Größe vielleicht den Argwohn in Ihr Herz pflanzte.— Vielleicht, ſprach ich zu mir, wird ſie nur eine gemeine Liebe in jener brennenden Leiden⸗ ſchaft, die mich verzehrt, erblicken, während es die erſte, die einzige wahre Liebe iſt, die ich je fuhlte. Ja, Cäcilie, glauben Sie— 4

Da unterbrach ein gellendes Gelaͤchter der Ba⸗

ronin den Grafen, der auf einem kleinen Schemel

zu Cäciliens Fuͤßen ſaß, in ſeinen Liebesphan⸗ taſien.

Trotz des unmaͤßigen fortwahrenden Lachens, verrieth Heinrich's Miene dennoch weniger Aerger als Erſtaunen. Er raffte ſich auf, warf ſich in das Sopha, und nachläͤſſig ſeinen Kopf ſchuttelnd, ſprach er:

„So wahr Gott lebt, Frau Baronin, ſolch' ein Gelaͤchter koͤnnte einen gewoͤhnlichen Liebhaber aus der Faſſung bringen; aber, auf Ehre, Sie ſind ungerecht, denn niemals habe ich mit mehr Recht:„erſte Liebe“ ſagen koͤnnen, außer einmal

bei der Frau eines Quaͤkers in Amerika, und ſpä⸗

ter bei einer Buͤrgermeiſterstochter. Aber, ent⸗ decken Sie mir doch, ich bitte, die Urſache Ihrer Heiterkeit!“

Die Seewarte v. Koat⸗Vén. I. 17