Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——

„Laßt mich allein,“ rief ſie, griff gierig nach dem Briefe, las ihn, und— er war von Heinrich.

„Als ich beim Marſchall von Caſtries die Ehre hatte, mit Ihnen zu ſpeiſen, äußerten Sie:„„Was „„wuͤrde ich darum geben, wenn ich erfahren „„konnte, warum in dem Blicke jenes Englaͤn⸗ „„ders ſo viel Wehmuth liegt;— wie froh „„wuͤrde ich ſein, wenn ich dieſes Geheimniß „„wuͤßte!““ Dieſe Worte, je unbedeutender fuͤr „Sie, deſto wichtiger fur mich, da ſie einen Ihrer „Wuͤnſche betrafen, vergaß ich nie; das Geheimniß „habe ich erforſcht; ich kenne es; wann aber werde „ich es Ihnen offenbaren können?“—

„Daz iſt alſo die Urſache des Duells mit je⸗ nem Englaͤnder!“ rief die Baronin,—„und bloß fur mich, fuͤr mich, die ich mich fur verachtet hielt! — Ha, ich moͤchte raſend werden.“

Dann ſprang ſie an ihren Tiſch, und ſchrieb in aller Eile das einzige Wort:„Augenblicktich,“ klingelte und ſagte zu ihrem Lakei:„An den Herrn von Vaudrey.“

Kaum war der Bediente fort, als Cäcilie uͤber

das Unſchickliche in ihrer Antwort, die ſie Heinrich gegeben, ſich bitter zu ärgern anfing. Das ge⸗ fuhlvolle und lebhafte Weib hatte ſich durch das ploͤtzliche Gefuhl der Freude, des Erſtaunens und des Glucks hinreißen laſſen. Als ſie wieder zur Beſinnung kam, ſah ſie ein, wie zwei utig ihr Benehmen war,