Da weinte ſie vor Wuth, und ließ, wie ge⸗ woͤhnlich, ihren ganzen Zorn an dem aus, der die Urſache zu dieſem ihren Benehmen geweſen war.
Denn, ſich ſonderbar genug widerſprechend, liebte ſie Heinrich als Liebhaber, haßte ihn aber als Menſchen.
Deshalb, glaube ich, irrt man gar ſehr, wenn man annimmt, daß die Weiber einen Mann bloß wegen der an andern Weibern begangenen Treu⸗ loſigkeiten lieben.
Dafuͤr haben ſie, ſo zu ſagen, zu viel Gemein⸗ geiſt.
Es liegt, glaube ich, in ihrer Auffuͤhrung min⸗ der Liebe als Neugier, Frauenſtolz und unſtäte Poffnung auf Rache, oder Vertrauen auf ihre Obermacht, die, ihrer Meinung nach, ſie uͤber das gewoͤhnliche Schickſal erhebt; und indem ſie dem Treuloſen Rechte zugeſtehen, wiſſen oder meinen ſie vielmehr, einen volſtaͤndigen Einfluß uͤber ihn zu erlangen, den ſie ſpaͤter zu brauchen hoffen, um die gemeinſchaftliche Sache zu raͤchen, und dieſes Streben iſt wunderbar genug. Dazu kommt un⸗ glucklicherweiſe, wenn, wie es oft der Fall iſt, der Treuloſe zugleich liebenswürdig iſt, noch der Egois⸗ mus, und das Weib, ohne auf gemeinſchaftliche Rache zu denken, giebt ſich ihrem Privatgluͤck hin und laͤßt ſich in ſuͤße Traume einlullen, ſo daß ſie nicht glaubt, eben ſo, wie die Andern, betrogen zu werden, weil ſie ſchoͤner als Andere iſt; bis ſie der⸗


