Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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ihn wieder ſehen, und zog ihn, trotz der Gefahr, ſich die Finger zu verbrennen, aus dem Kamine.

Dieſer, obgleich erſt ſo verachtete Brief, war dennoch ein Liebesbrief. Aber dieſe Liebe, wie gluͤ⸗ hend auch, war doch ſo rein, ſo unintereſſirt und uͤberſpannt, daß nicht nur eine Mutter keinen An⸗ ſtoß daran gefunden, ſondern auch ein vernuͤnfti⸗ ger Ehemann ſich dadurch ſehr geſchmeichelt gefuͤhlt haben wuͤrde. Dieſer platoniſche und ſeltene Lieb⸗

haber war trotz deſſen Oberſt⸗Lieutenant beim In⸗

fanterieregimente von Burgund, und ſtand jetzt eben zu Nevers in Garniſon. Er beklagte ſich

uͤber Caͤciliens langes Stillſchweigen und ſchmach⸗

tete nach einem Briefe, der all' ſein Hoffen und Troſt war. Cäcilie zerzauſte das Billet, und warf's wiederum in's Kamin.

„O, wie unglucklich bin ich doch!“ rief ſie. „Da iſt nun der Herr von St. Cyr, der mich aus Herzensgrunde liebt. Es iſt einer der beliebteſten und liebenswuͤrdigſten Maͤnner, den ich kenne. Nie habe ich ihm Etwas zugeſtanden, nie hat er mich um Etwas gebeten und doch iſt ſeine Liebe ſonder Gleichen, und dennoch, warum? weiß ich ſelbſt nicht, kann ich—“

Da trat der Kammerdiener ein.„Der Cou⸗ rier des Grafen von Vaudrey hat ſo eben dieſen Brief an die Frau Baronin gebracht,“ ſprach er und uͤbergab Cäcilien einen Brief.