Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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Hierzu kam, wie man wohl geſtehen muß, daß Rita's religiöſe Geſinnungen eher erworben, als angeſtammt oder durch innere Selbſtberathung an⸗ geeignet waren. Mit einer ſtets beweglichen und gluͤhenden Einbildungskraft begabt, war ſie beſon⸗ ders durch die prunkvollen aͤußern Zeichen des Chri⸗ ſtenthums, durch deſſen eindrucksvolle und gewich⸗ tige Ceremonien begeiſtert worden; ſie, die nichts erlitten, hatte auch nichts von den Echo's jenes Abgrundes zu erflehen, in den Pascal ſich geſturzt hatte. Von der Religion fuhlte ſie nur die Poeſie. Vom bodenloſen Weltmeer ſah ſie nur die lachende und azurblaue Woge, die auf deſſen Oberflaͤche ſpielt, und wiegte ſich, berauſcht vom Weihrauch, in dem fernen Getoͤs der Orgelharmonien.

So wußte auch Rita, wenn die ihres Eheman⸗ nes Geſellſchaft bildenden Philoſophen ihren from⸗ men Glauben mit dem eiſigkalten Materialismus zu bekaͤmpfen anfingen, nicht, was ſie erwiedern ſollte. Man redete in Zahlen zu ihr; ſie antwor⸗ tete in Entzuͤcken. Den Wundern, auf welche ſie ſich berief, ſetzte man unwandelbare Geſetze der Natur und Aſtronomie entgegen; und ſo ſchwieg die arme Frau, da ſie, ſie mochte ſich wenden wo⸗ hin ſie wollte, nur kalte Vernunftſchluͤſſe oder gei⸗

ßelnde Spoͤttereien fand; aber beſtuͤrzt war ſie, denn die anſcheinende Klarheit gewiſſer Einwuͤrfe

hatte ſie, obgleich nicht durchaus uͤberzeugend, den⸗ noch betroffen.