Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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die Religion in Frankreich nicht mehr ſo, wie die

paniens; es waren nicht mehr jene hohen, duͤſtern, tiefen Kirchen mit ihren von Gold und Edelgeſtein flimmernden Reliquienkäſtchen, die, allein ein ſchwa⸗ ches und zweifelhaftes Licht einſaugend, mitten in der Finſterniß wie eine himmliſche Flarheit ſtrahl⸗ ten; es war nicht mehr jener ernſte und majeſtaͤ⸗ tiſche Geſang der Maͤnche; es war nicht mehr die ganz in Schmerz gehuͤllte Menge, welche auf dem kalten Geſtein der Kirchen in Schatten und Schwei⸗ gen niederkniete, mit Andacht die Perlen des Ro⸗ ſenkranzes zahlend.

In Frankreich ſuchte die, in ihrem Geiſte ver⸗ ſpottete, beleidigte Religion durch den ihrem Cultus entlehnten Glanz das Auge zu beſtechen; die Kir⸗ chen waren gefallſuͤchtig aufgeputzt; aber ſie hatten zum Theil jene bewundernswerthen runden Schei⸗ ben verloren, die ein ſo geheimnißvolles Dunkel darin herrſchen ließen; und dann ging man zur Meſſe, um zu ſehen und geſehen zu werden; die Sonne ſchoß ihre heitern Strahlen mitten durch die hohen Fenſter, Alles mit Licht uͤberſchwemmend, und ſtrahlte von dem Sammt, dem Gold und der Seide wieder, womit ſich eine lachende und geraͤuſch⸗ volle Menge bedeckt hatte, deren Pracht die des

Altars beſchamte; und ferner ſprach ſchon laut der Geiſt der Philoſopheme, unterbrach mit Scherzre⸗

den die geheiligten Myſterien; und endlich waren es Dpernmädchen, welche die heiligen Lieder ſangen.

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