Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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Und das ganze Weſen Heinrichs hatte eine un⸗ begreifliche Umwandlung erlitten; ſeine Geſtalt von Mittelgroͤße hatte ſich emporgerichtet; ſein trauri⸗ ges und ſcheues Weſen war einer Miene unge⸗ woͤhnlicher Kuͤhnheit und Unerſchrockenheit gewichen; ſeine Stellung war achtunggebietend; ſein Adler⸗ blick hatte einen ſolchen Glanz und etwas Durch⸗ dringendes, daß die Herzogin ihn nicht ertragen konnte. Zum erſten Mal wohl ſchlug ſie die Au⸗ gen vor denen Heinrichs nieder; ſo war er zum Bewundern.—

„Ach!“ rief ſie, indem ſie ihm um den Hals fiel,„ach, wie ſchoͤn biſt Du, Heinrich, mein En⸗ gel! wie herrlich ſteht dieſer unerſchrockene Blick Deinen Augen! ach, wie lieb' ich dieſe Kuͤhnheit, die in Deinen Blicken ſtrahlt! und wie koͤnnte ich ſie nicht lieben, Heinrich? Iſt ſie nicht mein Werk? Ja, dieſe Gedanken des Ruhmes, ich habe ſie Dir eingefloͤßt; ſie kamen zu Dir mit Deiner Liebe fuͤr

mich;— dieſes Feuer, das Dich begeiſtert, Du

ſegſt es aus meinen Lippen ach!“ ſagte ſie faſt weinend,„ich liebe Dich! ich liebe Dich mit derſelben zärtlichen Eiferſucht, mit eben ſo viel Ei⸗ genliebe und Stolz, wie die Mutter ihr Kind.. Und dann, wenn Du wuͤßteſt, wie begierig ich in dieſen neuen Empfindungen, die ich in Dir er⸗

weckte, die Zuͤge meiner eignen ſuche; ach, ich ſuche ſie auf, wie die Mutter ihre Geſichtszuͤge in denen Du biſt mir

ihres angebeteten Sohnes ſucht.—