Und Heinrich zeigt ihr ihr Bildniß.„O Rita! kann ich es?— Euch nicht lieben.. habt Ihr nicht mein Leben umgeſtaltet.. und dieſes neue Leben, das Ihr mir gegeben, beſteht es nicht ganz in der Liebe zu Euch? Euch lieben heißt jetzt fuͤr mich— leben
—„Du haſt alſo keine Klagen mehr, Hein⸗ rich?“ fragte die Herzogin, mit dem langen Haar ihres Geliebten ſpielend.
„Doch, Rita, doch!— wenn Ihr nicht mehr hier ſeid, ſo empfinde ich bittere Reue, weil ich ge⸗ gen ein geheiligtes Geluͤbde verſtoßen habe, weil ich vielleicht einem zuruͤckgezogenen und frommen Le⸗ ben entſage, für das ich geboren war. Weit entfernt von der Welt auferzogen, ſchlummerten
meine Triebe, meine Sinne, meine Gedanken, Al⸗ les ruhte in mir; Rita, ich fuhlte nur eine Liebe, die zum Himmel!— Mein Glaube befeſtigte ſich in der Einſamkeit; mein einziges Ziel war das Kloſter; ja, Rita, das Kloſter! Wenn Ihr, wie ich, die Abtei von Kendem da unten mit ihren alten Eichenwäldern und ihren hohen Felſen geſehen hät⸗ tet; wie ich, den Meeresſturm unter den duͤſtern Bogenwölbungen ihrer Gallerien klagend vernom⸗ men haͤttet; Ihr wuͤrdet all' den Reiz verſtehen, den dieſe Zukunft, welche ich mir geſchaffen, fuͤr mich hatte!— der ſich in dem Wunſche mir dar⸗ bot, dort mein unwandelbares und friedſames Le⸗ ben zuzubringen. Denn das Leben wäre mir un⸗


