Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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alten religiöſen und monarchiſchen Glauben, dieſe einzige reine und fruchtbarſte Quelle der edelſten, troſtreichſten, glaubwürdigſten Illuſionen unter die Füße getreten hat, und gleichwohl überall und um jeden Preis neue Illuſio⸗ nen fordert; eines Jahrhunderts, welches jetzt darüber unwillig iſt, daß das Poſitive und Wahre, worauf es ſich ſo eiferſüchtig und ſtolz zeigte, politiſche Syſteme in die Geſellſchaft und aus der Geſellſchaft in die Kunſt über⸗ trug.

Was ſoll aus dem Menſchen werden, ſagen Sie, wenn Ihr ihm eine Illuſion nach der andern entreißt?

Es wird aus ihm werden, was Ihr aus ihm gemacht habt, was er iſt: Ein trauriges mürriſches Weſen, welches Alles dem materiellen Glücke der Welt unterord⸗ net; ſelbſt wenn er ſeinen groben und ſinnlichen Durſt ſättigen konnte, ſelbſt wenn er die Höhe der Macht, der Wiſſenſchaft und des Ruhmes erreichte, wird er doch ſtets noch die mächtige Leere in ſeiner Seele fühlen, wel⸗ che keine menſchliche Eitelkeit auszufüllen vermag.

Man verlangt Illuſionen*) in der Kunſt, ſo ſetze man ſie zunächſt in die Sitten; denn die Kunſt iſt ſo zu ſagen nur der Geiſt, der moraliſche Ausdruck des ge⸗ ſelligen Körpers.

Und geſtehen Sie, mein Freund, giebt es etwas pro⸗

*) Wir bedienen uns hier des Wortes Illuſionen, um von dem Glauben zu ſprechen, weil dieſer beſonders als Illu⸗ ſion von dem Philoſophismus angegriffen wurde. Die Frage, ob der wahre und innige Glaube zu dem Glücke des Menſchen nothwendig iſt, bedarf keiner Erörterung.