lebhaften Farben, ſo ſollte man glauben, ſie wa⸗ ren etwas Beſtehendes. Welch' eine Luͤge aber! Doch jene dort werden ihren trugeriſchen Glanz noch lange bewahren, wenn die aͤchten laͤngſt ver⸗ dorrt ſind.«
Ich weiß nicht, welch' ein fluͤchtiger Gedanke ihr in dieſem Vergleiche den Vortheil einer fal⸗ ſchen und kalten Kokette uͤber ein liebendes, hin⸗ gebendes Madchen gab.
„Der Ball« ſagte ſie dann wieder, und bei dem bloßen Worte ſchon verlor ſich ihre Melan⸗ cholie, ihre Augen glaͤnzten, und wie durch Zufall flackerte auch in demſelben Augenblicke ihre Lampe beller—„der Ball! er war ſo ſchoͤn, der Ball!
Der Tanz im bunten Gewirre, heiter und lebhaft;
Frauen im glaͤnzenden Schmucke, laͤchelnde Frauen und lächelnde Männer; doch nur der Mund laͤchelte: auf der Stirn ſpiegelten ſich Langeweile und Gleichguͤl⸗ tigkeit. Die Diamanten funkelten, die Wohlgeruͤche dufteten, tauſendfach brachen ſich die Strahlen der Lichter in den cryſtallnen Kronleuchtern; und doch weiß ich nicht, weshalb dies Alles nur meine Au⸗ gen beſchaͤftigte; meine Seele blieb leer und er⸗ innert ſich an nichts. Denn die Seele hat kein Gedächtniß fuͤr bloßen Laͤrm, eitle Farbe.— O, mein Gott, wie traurig iſt es doch, keinen Gegen⸗ ſtand der Erinnerung zu haben!— O, wie trau⸗ rig iſt ſo das Lebin! wie traurig ſagte Alice.


