Geliebtes, theures Kind— fluͤſterte die Mutter, ihre Tochter mit jenen muͤtterlichen Kuͤſ⸗ ſen bedeckend, die man gern mit Jahren von Lei⸗ den erkaufte, wenn man keine Mutter mehr hat!
Nach dieſem ruͤhrenden Auftritte zog Frau Wil ſich zuruͤck, und bat ihre Tochter, noch et⸗ was zu ſchlummern.
vIch ſchlafe ſchon, Mama« antwortete ſie, indem ſie ſich auf das Bette warf, und ſchnell ihre ſchoͤnen Augen ſchloß, obgleich ein ſchalkhaftes Laͤcheln ſie Luͤgen ſtrafte.
und die Thuͤr zu der Stube ihrer Mutter ſchloß ſich.—
Dann öfue Zenn tangſam erſt ein Auge, dann das andere, richtete ihren ſchoͤnen Kopf auf — den ganzen Körper— horchte— mit großen weit geoffneten Augen, wie eine junge Huͤndin im Hinterhalte, und da ſie nichts ſich regen hoͤrte, war ſie mit einem Sprunge von dem Bette vor einem kleinen Toilettentiſch mit Spiegel.
Da zog ſie Baͤnder hervor, Blumen, Flor, und indem ſie mit halber Stimme das Lied ſang, welches Theoderich ſie gelehrt hatte, verſuchte ſie, ſich ſo zu putzen, wie es ihm gefiel.
„Laß ſehen,« ſagte ſie, vheute muß ich mich putzen; aber morgen— ja! morgen— ſchoͤner Tag— ich Gluͤckliche— und doch ſchlägt mein Herz ſo heftig, wenn ich an Morgen denke, aber


