Sie ließ ihre Tochter auf das Bette nieder⸗ ſitzen, und ſetzte ſich neben ſie.
»Ja, Mama, ich geſtehe es, ich habe dieſe
Nacht wenig geſchlafen; denn ſieh, das Gluͤck ſtört den Schlaf— ich liebe ihn ſo ſehr— er iſt ſo gut gegen dich und gegen meinen Vater— mein Theoderich,« ſagte das junge Maͤdchen mit ihrer reinen Silberſtimme, indem ſie das graue
Haar ihrer Mutter küßte, welches ſie laͤchelnd mit
ihren dichten blonden Locken vermiſchte. „Laß doch, Jenny, du verdirbſt mir meinen Kopfputz—6
„Sieh, Mama, ich wollte, ich haͤtte dein
Haar und du das meine 4 »O die Naͤrrin!— warte, du ſollſt es ent⸗ gelten—4 ſagte die zärtliche Mutter, indem ſie Jenny auf die weiße, halb entbloͤßte Schulter einen leiſen Schlag gab. 6 0 »Ganz im Ernſt, Mama, dann waͤrſt du jung und ich ware alt, und ſo ſturbe ich vor dir—6 Sie ſchlang liebkoſend ihre beiden Arme um die Mutter, die ihren Kopf abwandte, damit die Tochter die Thraͤnen der Ruͤhrung nicht gewahr wuͤrde. S „Wie, Mama— du weinſt— mein Gott, mein Gott, ich habe dir weh gethan l— 2 Jenny hielt mit flehendem Blicke die Haͤnde hin. 2


