wurde es ruhig in ihr. So ruhig und ſtill, faſt friedlich ſtill, daß ſie ſelbſt darüber erſchrak und ſich bemühte, ihren Schmerz von Neuem aufzuregen. Vergebens, es gelang ihr nicht, und wenn ſie auch das ſie beſchleichende Gefühl des Friedens, ja, ſelbſt des Glückes, das in der Ruhe liegt, abſichtlich zurückdrängen und zerſtören wollte— es ließ ſich nicht abwehren— ſie mußte es dulden, immer wieder von ihm in ſanftes, träumeriſches Empfinden eingewiegt zu werden.
Sie machte ſich nun Vorwürfe, daß ſie vielleicht nicht liebevoll genug gegen ihren Mann geweſen ſei, daß ſie die Pflichten gegen ihn nicht im vollſten Umfange erfüllt, da er ja täglich und ſtündlich etwas zu tadeln gefunden habe, und ſie ſuchte abſichtlich ihren Schmerz aufzuſtacheln, weil ſie es für eine Pflichtverletzung hielt, anderen Empfindun⸗ gen ihres Herzens Raum zu geben. In wie fern es ihr gelang, wir wiſſen es nicht, ihre äußere Erſcheinung war die der tiefſten Trauer.
Ich erfülle eine zu lange verſäumte Pflicht, ſagte der Fürſt, nachdem er Platz genommen, indem ich komme, um Ihnen meine Theilnahme auszudrücken, gnädige Frau— ach, ich bedarf derſelben eben ſo ſehr, vielleicht weit mehr, als Sie—, aber es liegt gewiß ein großer Troſt für uns Beide darin, uns gegenſeitig über unſeren Verluſt auszu⸗ ſprechen.
Ich habe an Ihrem Gemahl ebenfalls einen treuen, mir
ergebenen Diener verloren, fuhr er fort, als Cäcilie nur 14*


