— 209—
ihr geweſen war, ſtrahlte nun heller und klarer, von der Erinnerung Goldſchein umfloſſen.
Wenn er fertig war mit den Regierungsgeſchäften, die.
täglich ſeinen Zorn und ſeinen Grimm von Neuem anfach⸗ ten, wenn die Miniſter und Supplicanten ihn endlich ver⸗ laſſen hatten und er nun ausruhen wollte in heiteren Ge⸗ ſprächen, dann fehlte ihre freundliche, helle Stimme, ihr frohes Lachen, ihr Scherz und ihr Muthwille— und wenn der Tag ſich neigte und die Dämmerung kam, jene Stunde, in welcher er ſo oft mit ihr zuſammen geſeſſen, plaudernd und koſend— ach, dann hob ſich ſeine Bruſt ſehnſuchts⸗ und wehmuthsvoll, und er mußte fort, hinaus, unter Men⸗ ſchen, weil er die Einſamkeit nicht ertragen konnte. Er wurde immer unleidlicher nicht nur für ſeine Umgebung, ſondern für Alle, und man fing allmählich im Volke an, zu empfinden, daß der Einfluß, welchen die ſo unglücklich umgekommene Gräfin ausgeübt, doch kein ſo ſehr nachthei⸗ liger geweſen ſein könne.
Es mochten ungefähr vierzehn Tage nach dem Begräb⸗ niſſe der Gräfin vergangen ſein, als der Fürſt, deſſen Un⸗ ruhe ſich gegen Abend immer ſteigerte, plötzlich auf den Gedanken kam, der Witwe ſeines verſtorbenen Miniſters einen Beſuch zu machen.
Ich hätte das längſt thun ſollen, ſprach er vor ſich hin, indem er heftig nach Mantel, Degen und Mütze verlangte, ich hätte das längſt thun ſollen— ſie iſt ja eine Jugend⸗
Guſtav vom See. Wogen des Lebens. III. 14


