ihren Mann deßhalb als reine Nebenſache betrachtet, ihm nicht einmal die tägliche, ohnehin dürftige und in der Regel mangelhaft zubereitete Nahrung gibt, ohne welche er nun doch einmal leider nicht eriſtiren kann, ſo beweiſt ſie eben dadurch, daß der Mann bei ihr in zweiter Reihe ſtehe, was mit ihren Pflichten geradezu unverträglich iſt. Das Weib ſoll Vater und Mutter verlaſſen und dem Manne folgen, ſo ſteht es ſchon in der Bibel— das haſt du zwar gethan, du biſt mir gefolgt— aber nur mit dem Körper, nicht mit dem Herzen und mit der Seele!
Verſuche es nicht, meine Meinung deßhalb ändern oder berichtigen zu wollen, fuhr er fort, als ſie Miene zu einer Erwiederung machte; die Kunſt der Verſtellung iſt dir noch neu, obgleich du angefangen haſt, Studien darin zu machen! Glaubſt du, ich beobachte dich nicht genau, wenn ich mich auch nicht ausſpreche? Es iſt zuweilen beſſer und noth— wendig, zu ſchweigen und ſeine Meinung für ſich zu be⸗ halten, wie du es ja auch thuſt— ſchon lange. Du haſt meine Erwartungen leider ſehr getäuſcht, denn ich habe mir ein ganz anderes Bild von unſerer Ehe gemacht. Ich glaubte, es würde mir gelingen, deine beſchränkten Mäd⸗ chen⸗Anſchauungen zu erweitern, dich zu einer klugen, geiſt⸗ reichen Frau heranzubilden, die ihr Licht und auch ihre kör⸗ perlichen Vorzüge nicht unter den Scheffel ſtellen, ſondern leuchten laſſen würde, ſo daß ich mit Stolz und von An⸗ deren beneidet zu dir hinblicken könnte. Von dem allem


