einer ſchon lange ſehr ſchwülen Atmoſphäre angeſammelt hatte. Es gehörte deßhalb auch nicht zu denen, deren raſch vorüberziehende dunkle Wolken die nur kurze Zeit getrübte Sonne ſchon mit einem glänzenden Rande umſäumt—
nein, es ſchien ſich ein grauer Regenhimmel für lange Zeit danach ausſpannen zu wollen.
So ſtand es bei ihm. Bei ihr war dies anders. Ihr Hauptſchmerz beſtand darin, daß dieſes gerade heute, am Tage des Eintreffens ihrer Eltern, ſtattgefunden hatte, denn ſie durfte bei ihrem Vater keinen Zweifel darüber auf⸗ kommen laſſen, daß ſie glücklich ſei. Ach, wie würde ihn dies geſchmerzt haben— ſie mußte heiter, fröhlich, unbe⸗ fangen ſein, wie ſonſt— ganz wie ſonſt— denn er hatte ein ſcharfes Auge— und jetzt? Es war ja faſt unmög⸗ lich! Während der ſechsmonatlichen Dauer ihrer Ehe hatte ſie mehr geweint, als in ihrem ganzen früheren Leben zu⸗ ſammen, immer aber heimlich und ohne daß er es geſehen. Beſonders in der erſten Zeit, in den erſten Wochen, ehe ſie es ertragen und dulden gelernt, mit ihm allein und fern
von den Ihrigen zu ſein, in ſo ganz veränderten, ganz fremden Verhältniſſen, ohne den Vater und ohne die Mut⸗ ter. Vor ihrem Manne, vor ſeiner Liebe und deren Aeuße⸗ rungen fürchtete ſie ſich, es war ihr am wohlſten, wenn ſie allein ſein konnte, allein mit ihren Gedanken, mit ihren Frinnerungen, mit ihren Träumen. Dann konnte ſie ſich auch ungeſtört und ungehindert ausweinen und wieder


