Teil eines Werkes 
3. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

und wurde dem Regenten immer unentbehrlicher. Sämmt⸗ liche die Wahlen beeinfluſſenden Erlaſſe waren von ſeiner gewandten Feder redigirt, und er verſtand es, für jede Art derſelben den paſſenden Ton zu finden. Der Regent ver⸗ handelte daher faſt ausſchließlich mit ihm und machte ihn zum Träger ſeines Willens mit Beſeitigung der Miniſter, die ſich dies jedoch nur mit wachſender Mißſtimmung ge⸗ fallen ließen.

Haben Sie nähere Nachrichten aus dem ſüdlichen Landestheile und von der Univerſitätsſtadt? fragte der Regent ſeinen Geheimen Cabinetsrath an einem Morgen, wo dieſer, wie gewöhnlich, zum Vortrage bei ihm erſchien.

Im Ganzen ſind die Berichte ſehr dürftig, Ew. Hoheit, erwiederte Leſſen, man ſpricht ſich wenig aus, nur in den Familien und in Privat⸗Geſellſchaften, wo man ſicher iſt. Man hält ſich ſchweigſam, aber eine gewiſſe Verſtocktheit, ja, ich möchte faſt ſagen, Erbitterung iſt unverkennbar.

Ich dächte, wir hätten für heute nun genug gearbeitet, bemerkte lächelnd der Fürſt; ſprechen wir daher von etwas Anderem, ich verderbe mir ſonſt meine Laune für den ganzen Tag, und meine Gemahlin hat wieder Mühe und Noth mit mir, was ohnedies der Fall iſt. Wie geht es denn Ihrer Frau, lieber Leſſen? ſie macht ſich ja außer⸗ ordentlich ſelten. Noch immer ſo ſchüchtern, ſo zurück⸗ haltend?

Es liegt dies leider in ihrem Weſen, Ew. Hoheit.