Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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Wie beurtheilt mich die Gräfin? fragte der Geheime⸗ rath mit ſichtlichem Intereſſe.

Sie hält Sie, um es kurz zu ſagen, für ihren Freund, erwiederte Leſſen, den Geheimenrath ſcharf anſehend, wel⸗ cher bei dieſer unerwarteten Eröffnung faſt verlegen ſeine Augen niederſchlug; ſie bleibt feſt dabei, daß Sie diejenige Freundſchaft und Anhänglichkeit, welche Sie in früheren Verhältniſſen auf die unzweifelhafteſte Weiſe kund gegeben, ihr auch jetzt bewahrt hätten— ungeachtet des nachtheiligen Einfluſſes Ihrer Frau Gemahlin, der ja leider allgemein bekannt iſt. Die Frau Gräfin hat mich ausdrücklich be— auftragt, Ihnen dies zu ſagen und Ihnen zugleich ihren Dank dafür auszuſprechen, was ſie ſelbſt gern thun würde, ſetzte er mit einem zweifelhaften Lächeln hinzu, wenn— wenn Sie nicht ſo ſehr mit Geſchäften überhäuft wären, daß Sie keine Zeit erübrigen können, um Ihre Freunde wenigſtens zuweilen einmal zu beſuchen.

Die Frau Gräfin iſt überaus gütig, erwiederte der Ge⸗ heimerath ſichtlich verlegen; aber, fuhr er in freierem und belebteren Tone fort, ſagen Sie ihr, daß ſie in ihren Vor⸗ ausſetzungen nicht irre und daß ich den aufrichtigen Wunſch habe, es mögen ſich dieſe für ſie ſo betrübenden Mißhellig⸗ keiten recht bald zu ihrer vollen Zufriedenheit löſen.

Möchten Sie ihr dies nicht ſelbſt ſagen? fragte Leſſen mit einem verbindlichen Lächeln; ich ſollte denken, Sie wä⸗ ren einer ſo ſchönen und liebenswürdigen Frau gegenüber