Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nun, ſo wollen wir die Zeit abwarten, ſagte ſie kalt. Ich habe zu thun und muß dich jetzt verlaſſen.

Er blickte ihr traurig nach, als ſie dann feſten Schrittes, ohne ihn noch einmal anzuſehen, das Zimmer verließ. Längere Zeit ſtand er in tiefem Nachdenken verloren. Ob es vielleicht doch beſſer wäre, ſprach er dann vor ſich hin — nein, nein— es iſt unmöglich— ſie würde ſehr un⸗ glücklich ſein.

Er kleidete ſich an und ging zur gewohnten Stund auf das Miniſterium. Wie ſeine Frau ganz richtig be⸗ merkt, hatte man ihn aus ſeiner bisherigen einflußreichen Stellung beſeitigt und ihm eine Beſchäftigung gegeben, welche zwar mit mühevollen und umfangreichen Arbeiten verbunden war, jedoch ſelbſt der öffentlichen Anerkennung derſelben entbehrte, weil der Name des Miniſters überall eintrat. Es war ein Geſetzentwurf zur Ablöſung der Grundlaſten, welcher ſehr umfangreich und mit noch um— fangreicheren Motiven den Ständen vorgelegt werden ſollte, deſſen möglichſt ſchleunige Anfertigung man dem Gehei⸗ menrathe aufgetragen hatte. Er war vor einiger Zeit damit fertig geworden und jetzt mit der nochmaligen ge⸗ naueren Durchſicht beſchäftigt. Nachdenkend ſaß er an ſeinem Arbeitstiſche, umgeben von mehreren mit Urkunden gefüllten Actenſtücken, in denen er, bald in dem einen, bald in dem anderen, aufmerkſam las, weil ihm die Natur einer Grund⸗Abgabe wieder zweifelhaft geworden war.