modernen Regierungsform, welche viel Reden und wenig Thaten aufzuweiſen hat,— aber was man einmal frei⸗ willig und feierlich verſprochen und gethan, das muß man halten, ſonſt gehört man zu den Menſchen, denen die wirk⸗ liche, wahre, innere Chre fehlt. Du aber ſchließeſt dich, vielleicht dir ſelbſt noch unbewußt, jener Partei an, welche bemüht iſt, den Regenten zum Bruche ſeines gegebenen Wortes zu beſtimmen.
Ich hatte es nie für möglich gehalten, ſagte der Ge⸗ heimerath, indem er ihre Hand, die er noch immer in der ſeinen hielt, unwillig zurückſtieß, daß ein unglückſeliger Wahn dich ſo weit führen könnte, in ſolcher Weiſe mit mir zu reden.
Ich rede nur die Wahrheit, fuhr die Geheimeräthin leidenſchaftlich fort; oder glaubſt du, es ſei nicht allgemein bekannt, was die Umgebung des Regenten beabſichtigt, dieſe Camarilla, deren Seele jene Perſon und dieſer intri⸗ gante Cabinetsrath Leſſen iſt? Wo kommt dieſer Mann mit Einem Male her? Wodurch hat er einen ſolchen unbe⸗ ſchränkten und beklagenswerthen Einfluß auf den Regenten erlangt? Man ſagt, er ſei ein alter Courmacher der Gräfin, ſie ſoll deren ja als Frau Lieutenant und auch ſchon früher eine große Zahl gehabt haben, und dieſes Verhältniß werde hier, unter den Augen des Regenten, mit beider⸗ ſeitiger raffinirter Klugheit fortgeſetzt; was ſie nicht er⸗ ſchmeicheln und ercoquettiren fönne, bewirke er, und wo


