Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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Es iſt kaum glaublich, ſagte der Geheimerath dann mit einem Seufzer, indem er das Zeitungsblatt aus der Hand legte; es iſt kaum glaublich! Vor einem Jahre hätte dies Niemand für möglich gehalten. Du ſcheinſt dich gar nicht darüber zu wundern, Marie, fuhr er nach einiger Zeit fort, da ſeine Frau, ohne zu antworten, weiter geleſen hatte, ich begreife dich nicht mehr.

Es iſt mir ſchon lange ſo gegangen, erwiederte ſie, ohne aufzublicken.

Wenn man die Kammer⸗Reden lieſt, bemerkte der Ge⸗ heimerath weiter, indem er abſichtlich die Antwort ſeiner Frau zu überhören ſchien, ſo glaubt man ſich nach Frank⸗ reich verſetzt und unter der Herrſchaft des ſogenannten Bür⸗ gerkönigs zu ſtehen.

Ich halte die franzöſiſchen Zuſtände für viel geſunder und lebensfähiger, als die unſrigen; die Nation hat ihren Willen, wenn auch auf etwas gewaltſame Weiſe, kund ge⸗ geben, Volk und König befinden ſich in Harmonie— das iſt immer die Hauptſache Bei uns findet das Gegentheil ſtatt. Die Verfaſſung iſt dem alten Fürſten abgetrotzt, er hat nur gezwungen und nur mit Widerwillen nachgegeben. Als er dann ſah, daß er ſich übereilt, zog er es vor, die Regierung lieber ganz aufzugeben und das Weitere ſeinem Nachfolger zu überlaſſen. Der alte, eigenſinnige Mann, ſo wenig er jemals zu meinen Lieblingen gehört hat, iſt bei dieſem Schritte wenigſtens ehrlich zu Werke gegangen,