Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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nahme der Frau des Geheimenrathes für die Fürſtin⸗Mutter. Man fand allgemein, daß ihr Benehmen keinenfalls der Klugheit alhemeſſen ſei; man wunderte ſich auch, daß die Geheimeräthin auch da und faſt abſichtlich eine ſolche Ge— ſinnung an den Tag legte, wo es gar nicht nöthig erſchien. Man ſprach ſogar davon, daß auch deßhalb Mißhelligkeiten in dem ſonſt ſo glücklichen ehelichen Verhältniſſe eingetreten ſeien.

Die Geheimeräthin mochte zu jener Zeit nahe an vier⸗ zig Jahre alt ſein. Sie war eine ſtattliche, hochgewach⸗ ſene, ſchlanke Frau, von edlem, anſtokratiſchem Weſen. Wer ſie nicht näher kannte, hielt ſie für ſtolz, für abge⸗ ſchloſſen und ſelbſt für theilnahmlos. Sie ſprach wenig, hielt ſich, ſo weit es anging, fern von dem Treiben des Hofes und hatte auch während der Regierung des alten Fürſten zu denen gehört, welche der Gräfin ſich nur dann genähert, wenn es die Beobachtung der Etiquette, ihres Mannes wegen, durchaus nothwendig gemacht. Man wußte, daß ſie aus einer altadeligen, aber verarmten Fa⸗ milie des Nachbarlandes ſtamme und daß die Verbindung mit dem Geheimenrathe aus der innigſten Neigung des jungen Paares hervorgegangen ſei. Ihre Ehe war zwar kinderlos, aber nie, während ihrer jetzt neunzehnjährigen Dauer, hatte auch nur der Schatten eines Zerwürfniſſes ſie getrübt; ſie war durchaus unberührt geblieben von den

frivolen Ausſtrahlungen des Hofes, und gerade dieſer Um⸗ 15½