Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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ſtellt wird! Viele Tauſende ſolcher Ehen werden ge⸗ ſchloſſen, glückliche und unglückliche, denn die Liebe des Weibes iſt eine Blüthe, die ſich immer erſchließt, wenn ſie von ſorgender und zarter Hand gepflegt und gewartet wird, die aber ſonſt ſchon in der Knospe verwelkt und abfällt. Cäciliens Liebesblüthe ſtand nochin derunentwickelten Knospe — es kam nur auf die Hand des Gärtners an— wir werden ihre weitere Entfaltung beobachten.

Die Hochzeit war einfach und faſt traurig. Der Schmetz der Braut, von ihren Eltern, namentlich von ihrem Vater ſcheiden zu müſſen, wurde nicht gemildert durch das beſeli⸗ gende Bewußtſein, mit dem Geliebten ihrer Wahl ziehen zu können und in ſeiner Liebe den Erſatz für die bisher em⸗ pfundene zu erhalten; das Verlaſſen der Heimat ihrer Kind⸗ heit, ihrer ganzen bisherigen Welt, wurde nicht von dem Lichte der Hoffnung erleuchtet, eine noch ſchönere Heimat an ſeiner Seite zu finden— der Schmerz des Kindes ſtand allein und vereinſamt, und nie, an keinem Tage ihres jun⸗ gen Lebens war der Quell ihrer Thränen daher ſo reichlich gefloſſen, wie an jenem, wo der Myrtenkranz ihre Locken durchzog.

Seit zwei Monaten war Leſſen jetzt verheirathet. Sie

hatte in dieſer Zeit aufgehört, das fröhliche, ſorgloſe Kind zu ſein, ſie war ernſt und dabei ſchüchtern und faſt ſcheu geworden. Er ſelbſt, der in den erſten Wochen nur für ſie gelebt, nur in ihrem Dienſte ſich abgemüht hatte,

Guſtav vom See. Wogen des Lebens. lI. 13