Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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kenntniß gekommen. Auch ſagte ſie ſich, daß er ſie gewiß längſt vergeſſen habe, hatte er doch auf Nimmerwieder⸗ ſchen von ihr Abſchied genommen; ſie hatte es ſich ja ſelbſt noch nie geſtanden, daß ſie ihn liebe. Aber ihren Vater liebte ſie zärtlich und faſt ſchwärmeriſch, und ihr Vater wünſchte es ja auch, daß ſie Leſſen heirathen ſolle, wenn er ihr auch immer wieder ſagte, ſie möge nur ihr eigenes Herz dabei zu Rathe ziehen. Dann kam Leſſen's Bewer⸗ bung, ein Brief von ihm an ſie— er war, was ſie jedoch nicht erkannte, mit der Gewandtheit und Befähigung eines erfahrenen Mannes geſchrieben, der es ſich zur Aufgabe macht, das Herz eines jungen, unſchuldigen Mädchens zu

gewinnen. Was ſollte ſie thun? Dem Wunſche und dem

Willen ihrer Eltern entgegentreten? Was ſie im Stillen erſehnte, ſich jedoch ſelbſt nicht einmal geſtehen mochte, das war ja doch für ſie unerreichbar— das Andere ihr eigentlich gleichgültig. Der Gedanke, ihre Eltern, namentlich aber ihren Vater durch eine Weigerung zu kränken, war für ſie unerträglich; ſie gab nach— was hätte ſie anders thun

können bei dem ſtündlichen Zureden ihrer Mutter und dem

noch beredteren Schweigen ihres Vaters?

Wie viele Tauſende ähnlicher Ehen werden geſchloſſen, wo das Mädchen, kaum den Kinderjahren entwachſen und noch in den Auffaſſungen derſelben befangen, ſich faſt wil⸗ lenlos dem Manne übergibt, der von denjenigen, welchen

ſie vertraut, als der Träger ihres künftigen Glückes hinge⸗