Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
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tein Urtheil darüber verlangen, ob Leſſen die Eigenſchaften eines Cabinetsrathes beſitze oder nicht, denn ich verſtehe von dieſen Dingen nichts und habe auch durchaus nicht die Abſicht, mein Verſtändniß darin zu erweitern. Wenn ich mich jedoch recht erinnere, ſo ſagteſt du mir vor deiner Abreiſe, du habeſt ihm bereits dieſe Stelle zugeſagt. Be⸗ finde ich mich darin nicht im Irrthume, ſo wüßte ich nicht, wie du jetzt noch zweifelhaft ſein kannſt, denn ein Ehren⸗ mann und beſonders ein Fürſt muß vor allen Dingen ein gegebenes Verſprechen halten.

Das iſt eine beſchränkte und weibliche Auffaſſung, mein Kind, erwiederte er nachläſſig; denn Niemand mehr als gerade ein Fürſt iſt in ſeinen Handlungen von den jedesmaligen Verhältniſſen und Umſtänden abhängig, welche ihn oft nöthigen, Zuſagen zu machen, deren Er— füllung ſpäter unmöglich iſt, weil ſie ſein oder ſeiner Un⸗ terthanen Wohl gefährden würden; höhere Rückſichten können einen Fürſten ſogar nöthigen, unbeſtimmte Ver⸗ ſprechungen zu geben, in der beſtimmten Abſicht, ſie nie⸗ mals zu realiſiren— es geht nicht anders in der Politik, mein Kind, ſetzte er mit einem belehrenden Tone hinzu, da er ſah, wie verwundert und forſchend ihn Nettchen betrach⸗ tete. Uebrigens habe ich Leſſen auch nur eine ſehr allge⸗ meine Zuſage gemacht, an die ich keineswegs gebunden bin, fuhr er fort; ſieh daher die Sache ſo an, als ob es ſich einfach um die Frage handle: ſoll Leſſen Cabi⸗

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