wurde, die ihrigen niederzuſchlagen— es war kein ſtrenges Urtheil, ſondern nur ein wahres. Ich werde gewiß nicht ſtreng über Sie urtheilen, aber Sie mögen Sich danach das Urtheil Anderer, das Urtheil der Welt ſelbſt klar machen.
Und mit welcher Berechtigung glauben Sie mir dieſes ſagen zu können? fragte ſie, ihre Verlegenheit hinter einer beleidigten Miene verbergend.
Mit welcher Berechtigung? wiederholte er, indem er ſie eine Zeit lang ſchweigend anſah; ich könnte Ihnen ſagen, als Erzieher und Rathgeber des Erbprinzen— aber ich will aufrichtig ſein, es iſt die Berechtigung der Theil⸗ nahme, welche mich veranlaßt, ſo zu Ihnen zu ſprechen.
Nettchen ſah bei dieſen unerwarteten Worten überraſcht
zu dem Geheimenrath empor. Er war für ſie bis jetzt im⸗ mer nur der Etzieher des Prinzen geweſen, ein alter Mann, in Prdant, die perſonificirte ſtrenge Pflichterfüllung— jetzt erſchien er mit Einem Male ganz anders. Er konnte höchſtens fünfzig Jahre zählen und war wirklich ein noch ſtattlicher, wohl conſervirter Mann. Wenn ſein Haar auch ins Graue ſpielte und ſeine Miene gewöhnlich ernſt und ſtreng war— ſie konnte auch ganz anders ſein, wie ſie vorher zu ihrem Erſtaunen erkannt hatte— und dann ſah er um zehn Jahre jünger und eigentlich gar nicht mehr alt aus. Was konnte ihn zu dieſer ſonderbaren und auf⸗


